Allmenn tekst (hjemmeeksamen høsten 2011)

 

Høst 2011 Tysk (hjemmeeksamen, allmenn tekst)

NB! Kildehenvisningen skal oversettes.

Muttertag – ein ambivalenter Feiertag

Diesen Tag nicht zu begehen, können wir uns kaum vorstellen. Der "Muttertag”"ist zu einer konsumierbaren Pflichtveranstaltung mit standardisierten Ritualen und Geschenken verkommen, ein Festtag für Kaufleute, ein oft peinlicher Tag für die Familien.

Dabei hatte dieses Fest so gut angefangen: Erfunden wurde es 1907 in den USA. 1908 wurde der Festtag offiziell in Philadelphia gefeiert, das sich dessen bis heute rühmt. Die Idee traf den Zeitgeschmack. Am 9. Mai 1914 verkündete der amerikanische Präsident Wilson, den zweiten Sonntag im Mai künftig in den USA "als öffentlichen Ausdruck für die Liebe und die Dankbarkeit zu feiern, die wir den Müttern unseres Landes entgegenbringen." Der Muttertag fand schnell Akzeptanz in Europa.

In Deutschland hat der Muttertag einen braunfaden Beigeschmack bekommen, weil ihn die Nationalsozialisten in ihr rassistisches Gedankensystem eingebaut hatten. Die ideologische Wertschätzung der – natürlich nur "arischen" – Mutter entsprang der ihr zugedachten Rolle als Heldenmutter, Garantin des Fortbestandes der Rasse und Gebärmaschine der so dringend benötigten Kriegshelden. Ein eigener Orden, das Mutterkreuz, ehrte kinderreiche Mütter – ein Ehrenzeichen, das volkstümlich und sarkastisch "Karnickelorden" hieß. Volksmund tut – manchmal – die Wahrheit kund.

Was zu Beginn des 20. Jahrhunderts bei der "Erfindung" des säkularen Muttertages keiner mehr wusste: Der weltliche Muttertag hat einen religiösen Vorläufer. Der Sonntag wurde in England zu Zeiten von Heinrich III. als Mothering Sunday begangen, ein Tag, an dem der "Mutter Kirche" für ihre Mutterschaft gedankt wurde. Zu diesem Feiertag der Kirche gehörte es schon damals, dass auch gegenüber der leiblichen Mutter an diesem Tag Dank ausgedrückt wurde. Der Dank der Kinder gegenüber den Eltern wurde durch den Simnel cake ausgedrückt.

Für den guten Willen der meisten Menschen spricht, dass der junge, alte Muttertag nach dem "Tausendjährigen Reich" wie der Phönix aus der Asche wieder auferstand. Und je besser es den Menschen ging, desto deutlicher zeigten sie ihre Mutterliebe oder das, was sie dafür hielten: Symbolträchtige Muttertagsgeschenke wie langstielige rote Rosen, Parfum und Pralinen der Sorte "Mon Chéri" wurden en vogue.

Der Muttertag hat sich zu einer perfekten Mütter- und Familienfalle entwickelt: Wer kann es sich leisten, die klischeehaften Formen zu negieren? […]
                                                                                                                                                    
Quelle: leicht bearbeiteter Auszug aus Text zum Muttertag von Prof. Dr. theol. Manfred Becker-Huberti, Köln.

 

 

Allmenn tekst (hjemmeeksamen høsten 2011)

 

NB! Kildehenvisningen skal oversettes.

Muttertag – ein ambivalenter Feiertag

Diesen Tag nicht zu begehen, können wir uns kaum vorstellen. Der "Muttertag”"ist zu einer konsumierbaren Pflichtveranstaltung mit standardisierten Ritualen und Geschenken verkommen, ein Festtag für Kaufleute, ein oft peinlicher Tag für die Familien.

Dabei hatte dieses Fest so gut angefangen: Erfunden wurde es 1907 in den USA. 1908 wurde der Festtag offiziell in Philadelphia gefeiert, das sich dessen bis heute rühmt. Die Idee traf den Zeitgeschmack. Am 9. Mai 1914 verkündete der amerikanische Präsident Wilson, den zweiten Sonntag im Mai künftig in den USA "als öffentlichen Ausdruck für die Liebe und die Dankbarkeit zu feiern, die wir den Müttern unseres Landes entgegenbringen." Der Muttertag fand schnell Akzeptanz in Europa.

In Deutschland hat der Muttertag einen braunfaden Beigeschmack bekommen, weil ihn die Nationalsozialisten in ihr rassistisches Gedankensystem eingebaut hatten. Die ideologische Wertschätzung der – natürlich nur "arischen" – Mutter entsprang der ihr zugedachten Rolle als Heldenmutter, Garantin des Fortbestandes der Rasse und Gebärmaschine der so dringend benötigten Kriegshelden. Ein eigener Orden, das Mutterkreuz, ehrte kinderreiche Mütter – ein Ehrenzeichen, das volkstümlich und sarkastisch "Karnickelorden" hieß. Volksmund tut – manchmal – die Wahrheit kund.

Was zu Beginn des 20. Jahrhunderts bei der "Erfindung" des säkularen Muttertages keiner mehr wusste: Der weltliche Muttertag hat einen religiösen Vorläufer. Der Sonntag wurde in England zu Zeiten von Heinrich III. als Mothering Sunday begangen, ein Tag, an dem der "Mutter Kirche" für ihre Mutterschaft gedankt wurde. Zu diesem Feiertag der Kirche gehörte es schon damals, dass auch gegenüber der leiblichen Mutter an diesem Tag Dank ausgedrückt wurde. Der Dank der Kinder gegenüber den Eltern wurde durch den Simnel cake ausgedrückt.

Für den guten Willen der meisten Menschen spricht, dass der junge, alte Muttertag nach dem "Tausendjährigen Reich" wie der Phönix aus der Asche wieder auferstand. Und je besser es den Menschen ging, desto deutlicher zeigten sie ihre Mutterliebe oder das, was sie dafür hielten: Symbolträchtige Muttertagsgeschenke wie langstielige rote Rosen, Parfum und Pralinen der Sorte "Mon Chéri" wurden en vogue.

Der Muttertag hat sich zu einer perfekten Mütter- und Familienfalle entwickelt: Wer kann es sich leisten, die klischeehaften Formen zu negieren? […]
                                                                                                                                                    
Quelle: leicht bearbeiteter Auszug aus Text zum Muttertag von Prof. Dr. theol. Manfred Becker-Huberti, Köln.

 

Lagt ut 10.01.2012