Auch wenn ein Großteil der Autofahrer das Super-Benzin E10 weiter boykottiert, setzt die Regierung auf die Einsicht der Verbraucher. Umweltminister Norbert Röttgen (CDU) ver-teidigte in der "Bild am Sonntag" den mit zehn Prozent Ethanol aus Weizen, Zuckerrüben und Mais versetzten Biosprit und betonte: "Die Politik verpflichtet die Industrie lediglich zur Einhaltung einer bestimmten Biokraftstoffquote, die zwar gestiegen, aber nicht neu ist". […]
Scheitert E10, könnte die Quote im laufenden Jahr nach Ansicht von Experten kaum erfüllt werden − dann drohen Strafzahlungen, die die Benzinbranche als versteckte Steuererhöhun-gen auf die Spritpreise aufschlagen könnte. In der schwarz-gelben Koalition wächst der Un-mut über Röttgens Krisenmanagement − so geht der für Dienstag einberufene "Benzin-Gipfel" auf die Initiative des für E10 gar nicht zuständigen Wirtschaftsministers Rainer Brüderle (FDP) zurück. […]
Überraschend sprach sich auch Döring (FDP) für einen kurzfristigen Stopp des Biokraftstoffs und die Verschiebung um einige Monate aus. […]. Er wies Industrie und Politik die Schuld für die Verunsicherung gleichermaßen zu. Die Fahrzeughersteller forderte er zu „rechtsverbindlichen“ Aussagen über die Verträglichkeit des neuen Kraftstoffes für ihre Fahrzeuge auf. Außerdem müsse die Bundesregierung die Verbraucher besser über die ökologischen Folgen des E10 informieren […]. Auch hier gebe es eine breite Verunsicherung in der Bevölkerung.
Unterdessen äußerte der Leiter der BMW-Mechanikentwicklung, Thomas Brüner, den Ver-dacht, dass Motoren durch E10 stärker als bisher bekannt in Mitleidenschaft gezogen werden könnten. "Das Wasser kondensiert aus den Verbrennungsgasen und gelangt ins Öl, das dadurch verdünnt wird und schneller altert", sagte Brüner […]. Daher könne es sein, dass Ölwechselintervalle verkürzt werden müssten.
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Der Vorsitzende des Bundestags-Verkehrsausschusses, Winfried Hermann (Grüne), sagte der "Welt am Sonntag", der geplante Benzin-Gipfel sei "eher ein Gipfel der Nachsorge, weil die Bundesregierung die vorsorgende Koordination vergessen hat". Hermann forderte ein Aus für das Biosprit-Projekt: Es müsse jetzt zunächst geklärt werden, welche Motoren den Sprit wirklich vertragen und worin der ökologische Nutzen bestehe. […]
Quelle: Auszug aus dem Handelsblatt 06.03.2011